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Bitte haben Sie Verständnis!

Warum muss ich für alles Verständnis haben?

"Bitte haben Sie Verständnis!" - NEIN, das habe ich nicht!!!

Bitte haben Sie Verständnis, dass die Phrase „Bitte haben Sie Verständnis!“ in vielen Bereichen allzu häufig vorkommt. Diese allgegenwärtige Formulierung dient als Aufforderung, Empathie und Nachsicht seitens des Lesers, Zuhörers, Geschäftspartners oder Kunden zu erlangen.

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Mainstream- Darstellung

In vielen Bereichen des Lebens hört man immer wieder den Ausdruck „Bitte haben Sie Verständnis“. Ob in Geschäftskorrespondenz, öffentlichen Mitteilungen oder im Kundenservice – diese Phrase scheint allgegenwärtig zu sein. Doch warum wird sie so häufig verwendet? Es ist faszinierend, wie ein scheinbar einfacher Satz so viel Bedeutung tragen kann, aber oft auch so viel Frustration auslöst.

“Bitte haben Sie Verständnis” wird oft verwendet, um Verständnis für eine bestimmte Situation oder Entscheidung zu bitten, die möglicherweise für den Empfänger unangenehm oder unerwünscht ist. Es dient als eine Art Vorankündigung oder Entschuldigung, um mögliche Missverständnisse oder negative Reaktionen zu mildern. Diese Phrase zeigt, dass der Sprecher sich der möglichen Auswirkungen seiner Handlungen bewusst ist und die Gefühle und Bedürfnisse des Gegenübers respektiert.

Um den Ausdruck effektiv einzusetzen, ist es wichtig, ihn in den richtigen Kontext zu setzen. Es sollte vermeidbar sein, ihn als Standardantwort oder Platitüde zu verwenden; ansonsten kann er an Glaubwürdigkeit verlieren und sogar als abwertend wahrgenommen werden. Stattdessen sollte die Phrase bewusst und gezielt eingesetzt werden, um Verständnis für eine bestimmte Situation zu erzeugen. Ein effektiver Einsatz des Ausdrucks erfordert außerdem eine klare und präzise Kommunikation. Es ist wichtig, den Grund für das Verständnis zu erklären und gegebenenfalls Alternativen oder Lösungen anzubieten, um das Verständnis des Gegenübers zu fördern. Dadurch wird die Phrase nicht nur als Floskel wahrgenommen, sondern als Ausdruck echten Mitgefühls und Engagements.

Bei der Verwendung des Ausdrucks „Bitte haben Sie Verständnis“ gibt es einige Gefahren und Fallstricke, die beachtet werden sollten. Eine der häufigsten Fallstricke besteht darin, dass der Ausdruck als Floskel betrachtet wird und dadurch seine eigentliche Bedeutung und Wirkung verliert. Es ist wichtig, dass der Ausdruck in der richtigen Situation und in angemessener Weise verwendet wird, um seine Intention und Bedeutung zu verdeutlichen. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass der Ausdruck als Ausrede verwendet wird, um mangelnde Qualität oder unzureichenden Service zu rechtfertigen. Dies kann dazu führen, dass Kunden das Vertrauen in das Unternehmen verlieren und sich abwenden. Es ist daher von großer Bedeutung, den Ausdruck mit Bedacht und Verantwortungsbewusstsein einzusetzen. Zudem sollten mögliche Missverständnisse vermieden werden, indem der Ausdruck genau und klar formuliert wird, um die gewünschte Botschaft zu vermitteln.

„Bitte haben Sie Verständnis“ wird oft verwendet, um eine gewisse Nachsicht zu erbeten oder eine Entschuldigung vorzubringen. Es dient dazu, die Kommunikation höflich und respektvoll zu gestalten, insbesondere wenn man um Verständnis für bestimmte Umstände, Regeln oder Entscheidungen bittet. Dabei ist es wichtig, den Ausdruck effektiv einzusetzen und Missverständnisse zu vermeiden, sonst kann er manchmal als Floskel oder Ausrede wahrgenommen werden, insbesondere wenn er zu oft verwendet wird. Daher sollten wir vorsichtig sein und den Ausdruck nicht zu inflationär einsetzen, um seine Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit zu bewahren.

Persönliches Empfinden

Ein Beispiel, ganz aktuell: In Gaststätten ist oft zu lesen: “Zur Zeit keine Kartenzahlung möglich. Bitte haben Sie Verständnis!” – NEIN!!! Das habe ich nicht! Ich möchte auch erklären, warum.

Ich selbst biete Kartenzahlung für meine Kunden an, als Option zur Auswahl. Manche nutzen diese Möglichkeit, manche nicht. Okay. Meine Kosten für diesen Service: ca. 3% vom Umsatz. Die Gebühren sind natürlich steuerlich absetzbar. Warum ist es also nicht möglich, in gefühlt der Hälfte der Gaststätten (und auch anderer Geschäfte) nicht mit der Karte zu bezahlen?

Haben die Inhaber etwas zu verbergen? Sollen nicht die gesamten Umsätze “über die Bücher laufen”? Oder sind wir Deutschen wirklich so kleinlich, dass 3% vom Umsatz eine zu große Belastung für uns wären? Wäre es im Umkehrschluss nicht auch möglich, durch das Anbieten von Kartenzahlung neue Kunden hinzuzugewinnen? In anderen Ländern (Italien, Polen, Rumänien, Ungarn, Tschechien u.a.) kann ich sogar an einem Gemüsestand an der Straße mit Karte bezahlen, vollkommen egal, wieviel Umsatz ich mache!

Letztendlich geht es auch nicht nur um Kartenzahlung. Wir sind ja alle immer so verständnisvoll!!! “Es geht mir heute nicht so gut. Ich weiß nicht, ob ich das heute schaffe!!!” oder “Ich habe so einen Stress!” (Allein bei diesem Satz stellen sich mir schon die Nackenhaare auf!) oder “Also letzte Nacht habe ich gar nicht gut geschlafen!”

Was sollen uns diese Sätze vermitteln?! Bitte hab Verständnis, dass ich heute nicht so gut drauf bin oder meine Leistung nicht erbringen kann. Es wird Mitgefühl erwartet. Jetzt kommt es auf den Gesprächspartner an: Entweder er bedient diese Rolle, oder er jammert gleich mit. Nicht mein Ding! Manchmal möchte ich fast schreien: “Krieg dein Leben auf die Reihe! Und wenn du das nicht selber schaffst, such dir Hilfe, am besten professionelle!”

Aber, wir sind ja höflich und nett, und wir haben Verständnis! Natürlich muss unterschieden werden zwischen privat und professionell. Wenn ein Kunde bzw. Klient zu mir kommt und Hilfe braucht, werde ich ihn oder sie selbstverständlich nicht runtermachen oder mich echauffieren (ich weiß gar nicht, ob das Wort noch verwendet wird). Schließlich will der Kunde ja eine Verbesserung oder Lösung seines Problems. Und dass er oder sie Unterstützung sucht, zeigt ja, dass die aktuelle Situation verbesserungswürdig ist und eine grundsätzliche Bereitschaft vorhanden ist oder Notwendigkeit erkannt wurde. (Eine Möglichkeit der Problemlösung ist z.B. der Yager Code.)

Im privaten Bereich nimmt meine Verständnisfähigkeit immer mehr ab. Ob das immer gut ankommt? Ganz sicher nicht. Aber ich bin mit mir mehr im Reinen. Man muss auch nicht sofort auf “Kontra” sein, oft genügt schon ein einfaches Ansprechen des Themas, um unser Gegenüber aus seinem Tunnel herauszuholen.

Fazit

Ein prinzipielles Verständnis für Probleme oder Gegebenheiten ist in Ordnung und gut. Aber ein Verständnis, das vorausgesetzt wird, um vielleicht selbst nicht nach einer Lösung suchen zu müssen oder von der eigenen Inkompetenz abzulenken, hat diesen Namen nicht verdient.

Schlägt man die Wortbedeutung von Verständnis nach, findet man folgende Erklärung: die Fähigkeit, sich in jemanden oder etwas hineinzuversetzen bzw. jemanden oder etwas zu verstehen oder sich hineinzufühlen.

Um nicht vollständig auf “Kontra” zu sein, könnten wir das nächste mal einfach sagen / fragen: “Ich hätte ja gern mehr Verständnis für Ihre Situation, bitte erklären Sie mir, worum es geht. Vielleicht kann ich helfen?” Dann werden wir sofort erkennen, ob wirklich eine Lösung der Situation / des Problems gewünscht ist oder ob das geforderte Verständnis nur als Ausrede bzw. Vorwand für eigenes Fehlverhalten genutzt wird.

Beobachten Sie einmal heute, morgen oder auch die ganze nächste Woche, wie oft Sie (scheinbar selbstverständlich) um Verständnis gebeten werden, nur um irgendwelche Missstände oder Unannehmlichkeiten zu tolerieren oder darüber hinweg zu sehen. Dann können Sie ja selbst entscheiden, in wie vielen Fällen Sie (echtes) Verständnis haben wollen.

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Ralf Maleska
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